BahnCard Gold oder: der Tarifdschungel der DB (mit Update)

direkt zum Update vom 07.01.14

Die Deutsche Bahn gibt ein neues Aktionangebot heraus und keiner weiß, wie es funktioniert – nicht mal die Bahn selber. Ich habe mir heute einmal den Spaß gemacht, mich mit dem Twitter-Team der DB auseinanderzusetzen. Dabei kam nicht nur heraus, wie undurchsichtig der Tarifdschungel für den gemeinen Bahn-Fahrgast ist, sondern wie sehr sich die Bahn selbst in ihm schon verlaufen hat.

Doch lest selbst:

Seit 1. Januar gibt es eine neue Aktions-BahnCard von der DB: die BahnCard 25-Gold, die einem in den vier Monaten Gültigkeit nicht nur die üblichen 25% Rabatt auf alle Normal- und Sparpreise gewährt, sondern zusätzlich Freifahrten bereithält: wenn nämlich an einem Tag bei den olympischen Spielen in Sochi vom deutschen Team eine Gold-Medaille gewonnen wird, kann man von 0:00 Uhr für 27 Stunden (also bis 03:00 Uhr des Folge-Tages) mit den Zügen der Produktklassen ICE und IC/EC, sowie mit den IC-Bussen kostenlos fahren.

Und hier sind wir auch schon am entscheidenen Punkt: zwischen den Beförderungsbedingungen (die ja Vertragsgrundlage einer jeden Fahrkarte sind) und den offiziell kommunizierten Informationen gibt es einen entscheidenden Unterschied:

In den Beförderungsbedingungen ist auf Seite 64/65 folgendes zur Aktions-BahnCard Gold geschrieben:

7. Zusatznutzen
7.1 Am Tag nach einem Goldmedaillengewinn der deutschen Olympia-Mannschaft bei den olympischen Winterspielen in Sotchi in 2014 (Aktionstag) können Inhaber der GOLD BahnCard 25 (…) innerhalb Deutschlands unentgeltlich gegen Vorlage der GOLD BahnCard 25 ausschließlich in den Zügen der Produktklassen ICE und IC/EC in der jeweiligen Wagenklasse der GOLD Bahn-Card 25 sowie in den IC Bussen reisen. (…) [Hervorhebung durch mich]

Außerdem gibt es noch die Hinweise, welche Produkte von der Aktion ausgeschlossen sind (die üblichen Verdächtigen): Nachtzüge aller Art, das City-Ticket und in diesem Fall Züge des Nahverkehrs

7.2 Der Zusatznutzen nach Nr. 7.1 gilt nicht für (i) +City, (ii) zur Beförderung in einer niedrigeren Produktklasse nach Nr. 2.4.4 Satz 5 BB Personenverkehr sowie (iii) zur Fahrt in den reservierungspflichtigen Nachtzügen (CNL, EN, D-Nacht) und Autozug-Zügen, auch nicht mit einer Aufpreis-Karte.

Wenn man jetzt noch in der Einleitung der Beförderungsbedingungen auf Seite 5 nachliest, was alles zur Produktklasse ICE gehört, so finden sich neben dem ICE und dem ICE-Sprinter auch der TGV und der railjet (RJ):

1.2 Produktklassen
Die Verkehrsunternehmen bieten die Beförderung in folgenden Produktklassen an:
(i) für den Fernverkehr
• Produktklasse ICE: InterCityExpress (ICE), InterCityExpress Sprinter (ICE Sprinter),TGV, railjet (RJ); (…)

Die Bahn bewirbt das Ganze auf der Aktionsseite unter bahn.de aber folgendermaßen:

Gewinnt die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen vom 07.02. bis 23.02.2014 in Sotschi Gold, reisen Sie am Folgetag des Medaillengewinns kostenlos im ICE und IC/EC sowie in den IC-Bussen durch Deutschland.

In den zugehörigen FAQ (Frequently Asked Questions / Häufig gestellte Fragen) wird zudem folgende Aussage getroffen:

20. Welche Fahrkarte benötigt man, wenn am Tag der Freifahrt einen TGV nach Frankreich nutzt, aber nur von Frankfurt nach Karlsruhe fährt?

Sie benötigen eine reguläre Fahrkarte für die Fahrt im TGV. Sollten Sie die Fahrt mit einem ICE oder IC/EC unternehmen können sie am Tag einer Freifahrt kostenlos reisen.

Das passt nicht zusammen: die Beförderungsbedingungen sprechen von allen Zügen der Produktklassen ICE und IC/EC, die Aktionsseite „verbietet“ aber zugleich das Nutzen bestimmter Züge dieser Produktklassen.

Noch abstruser wird das Ganze, wenn man sich einmal in dieser Angelegenheit mit dem SocialMedia-Team der Deutschen Bahn auf Twitter auseinandersetzt:

Am Anfang steht die ganz harmlose Frage eines Users, ob man für die Freifahrt auch den railjet (RJ) – einen Zug der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB), welcher aber auch im Abschnitt Salzburg – München – Frankfurt unterwegs ist, wo der Deutsche Tarif zur Anwendung kommt – fahren dürfte:

Die DB_Bahn antwortet darauf:

Während sich der gemeine Fahrgast geschlagen gibt, hole ich aus und frage nach und verweise auf die Beförderungsbedingungen (siehe oben):

  Das DB-Team baut seine Argumentation auf der oben beschriebenen Aktionsseite auf:

Daraufhin weise ich das Bahn-Team nochmals mit Link auf die Beförderungsbedingungen hin:

 

Die DB versucht es auf anderem Wege, einem die Fahrt mit dem Railjet abspenstig zu machen, mit der Keule, der RJ wäre ein ausländischer Zug:

Dass im Railjet aber im deutschen Abschnitt der deutsche Tarif zur Anwendung kommt und der Zug auch von DB-Personal gefahren und betrieben wird, verschweigt man jedoch. Ich packe nochmal die Keule mit den Beförderungsbedingungen aus:

  Jetzt plötzlich gehört der railjet nicht mehr zur Produktklasse ICE, sondern zur Produktklasse A (welche es in den vorliegenden Beförderungsbedingungen aber gar nicht mehr gibt…):

Ich weise nochmal freundlich auf die Beförderungsbedingungen hin:

 

Daraufhin kapituliert das Twitter-Team der DB und lässt einen mit dem Zugbegleiter diskutieren:

Aus Sicht der Beförderungsbedingungen ist selbst dies nicht notwendig. Dort ist ausdrücklich von Zügen der Produktklasse ICE und IC/EC die Rede, und die Produktklasse ICE besteht nunmal nicht nur aus den ICE-Zügen, sondern auch aus TGV und railjet (RJ). Auch wenn wir die Nummer nur anhand des Railjet diskutiert haben, so ist dies auch auf den TGV im deutschen Binnenverkehr anzuwenden, obwohl dieser in den FAQ explizit ausgeschlossen ist. Dieser Ausschluss ist nirgends in den Beförderungsbedigungen festgehalten, weshalb er nicht wirksam ist.

Fazit: Scheinbar hat hier jemand nicht nachgedacht, als das Angebot erstellt wurde und nun versucht man sich mit aller Macht durch fadenscheinige Argumente den Kunden von dem zu überzeugen, was man sich da so ausgedacht hat. Dass die Beförderungsbedingungen hier ziemlich eindeutig sind, wird getrost ignoriert.

/Update vom 07.01.14, 18:14:

Nun also doch: auf Facebook hat das Social-Media-Team nun eingeräumt, dass die Informationen auf der Aktionsseite der Bahn FALSCH waren:

Ich habe eine Rückmeldung von den Kollegen erhalten: Es liegt tatsächlich ein Fehler vor. Die Freifahrt gilt in Zügen der Produktklasse ICE und IC/EC und kann innerhalb Deutschlands auch im TGV bzw. railjet gemacht werden. Die Antwort auf bahn.de wird demnächst noch angepasst. Tut mir leid, dass es zu Unstimmigkeiten gekommen ist und vielen Dank für den Hinweis. /ch

Warum nicht gleich so?