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U9, U10, U11, U12 – wer bietet mehr?

Während die Fortschritte bei der zweiten Stammstrecke kaum sichtbar sind, die Trambahn-Westtangente mit der Publicity zu kämpfen hat und Taktverdichtungen mal wieder an der Fahrzeugzulassung hängen, hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) heute ein Projekt vorgestellt, das dem Bevölkerungs- und Verkehrswachstum in der Stadt München entgegen kommt: die so genannte „U9-Spange“.

Primärer Gedanke, der den Stadtrat der Stadt München im Jahr 2009 dazu veranlasste, die MVG für nähere Untersuchungen zu beauftragen, ist, die heute schon stark ausgelastete Stammstrecke der U3 und U6 im Bereich zwischen Münchner Freiheit und Implerstraße zu entlasten. Außerdem könnten durch neue Direktverbindungen auch Umsteiger von den hoch frequentierten Knotenbahnhöfen Marienplatz und Sendlinger Tor abgezogen werden. Denn eines ist klar: die Bevölkerung und damit auch die Fahrgäste von U-Bahn, Bus, Tram und S-Bahn werden in den nächsten Jahren weiter wachsen. Für die Jahr 2000 bis 2030 wird aktuell ein Bevölkerungswachstum von 30% prognostiziert, die Nachfrage bei der U-Bahn legte alleine in den letzten zehn Jahren um ungefähr 25% zu.

Nachdem die Strecke der U3 und U6 zwischen Münchner Freiheit und Implerstraße schon nahe der Leistungsgrenze ist und spätestens mit der Verdichtung auf einen 2-Minuten-Takt am Limit fährt, müssen neue Lösungen her: die heute vorgestellte Untersuchung der MVG in Zusammenarbeit mit den Münchner Ingenieurbüros SSF Ingenieure und Vössing sowie der INTRAPLAN Consult GmbH haben ergeben, dass es grundsätzlich möglich ist, auf der Strecke Münchner Freiheit – Hauptbahnhof – Implerstraße einen neuen Tunnel als Entlastung der alten Strecke zu bauen.

(c) SWM/MVG
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Bei der Untersuchung hat sich jedoch herausgestellt, dass es sinnvoller ist – entgegen den ursprünglichen Untersuchungen – die Strecke Richtung Süden nicht schon an der Münchner Freiheit, sondern erst an der Giselstraße auszufädeln und die Strecke zwischen München Freiheit und Giselastraße viergleisig auszubauen und somit an der Giselastraße einen Verknüpfungsbahnhof zu schaffen. Am Hauptbahnhof ist ein neuer U-Bahnhof unter dem Gleisvorfeld der Eisenbahn zu bauen und somit nicht nur eine enge Verzahnung von U-Bahn und Zug zu gewährleisten, sondern zugleich neue Zugangsmöglichkeiten vom Westen an die Bahnsteige und eine Querverbindung zwischen den Flügelbahnhöfen herzustellen. Der Bahnhof Theresienwiese, der vor allem zu Zeiten des Oktoberfestes stark ausgelastet ist, könnte entweder viergleisig ausgebaut werden oder einen zweiten, versetzt angelegten Bahnsteig erhalten.

Als neue Linie soll dann die U9 von Garching via Münchner Freiheit und Hauptbahnhof zum Klinikum Großhadern bzw. Martinsried verkehren, die U6 bedient die alte Strecke Fröttmaning – Marienplatz – Klinikum Großhadern. Somit gäbe es endlich eine direkte, umsteigefreie Verbindung zwischen der Allianz Arena und dem Hauptbahnhof. Bei der U3 bleibt alles bei alten, sie erhält unter Umständen eine neue Verstärkerlinie („U10„), die die Strecke U2Nord – Münchner Freiheit – Marienplatz – Implerstraße und weiter Richtung Harras/Klinikum Großhadern bedient (vgl. auch die folgende Grafik).

(c) SWM/MVG
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Eine weitere Option, die unter Umständen erst in einem zweiten Schritt realisiert würde, ist eine Streckenverknüpfung zwischen U2 und U9 nordwestlich des Hauptbahnhofes (in der ersten Grafik die gestrichelte Linie). Somit könnte eine weitere Verknüpfungslinie („U12„) entstehen, die nördlich des Hauptbahnhofs von der U2 auf die U9 wechselt und nicht in die U1/U2-Stammstrecke Hauptbahnhof – Kolumbusplatz einfährt und somit Streckenkapazitäten für die „U11“ (OEZ – Hauptbahnhof – U2Ost) freisetzt (siehe hierzu den Liniennetzplatz unten).

(c) SWM/MVG
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All dies sind noch Gedankenspiele und nur grobe Überlegungen. Weder eine Kostenanalyse noch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung dazu wurden bisher angestellt. Auch das dargestellte Linienkonzept basiert bisher nur auf vagen Ideen und die Linienbezeichnungen stellen bisher nur Arbeitstitel dar. Das Projekt ist ziemlich ambitioniert und bringt den öffentlichen Verkehr in München sicher weiter, doch ist aus meiner persönlichen Sicht das Linienchaos, wie es hier angedeutet wird, mit den neuen Verstärkerlinien, dem durchschnittlichen Fahrgast nicht zuzumuten. Hier sollte ein klares Linienschema geschaffen werden. Bis die Realisierung dieses Projektes so weit ist, bleibt den Angebotsplanern der MVG aber noch genügend Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.